Osteoporose – eine „Volkskrankheit“

Erstaunlicherweise fand die Osteoporose erst in den letzten Jahrzehnten die Beachtung, die einer „Volkskrankheit“ eigentlich gebührt. Inzwischen weiß man, wie die Osteoporose entsteht, wie sie verläuft, wie ihr vorgebeugt werden und wie den Betroffenen, die bereits unter dem Knochenschwund leiden, geholfen werden kann. In den Medien ist in letzter Zeit sehr viel darüber berichtet worden, denn Wissen und Kenntnisse über eine Krankheit sind die Grundvoraussetzungen für den Erfolg von Vorbeuge- bzw. Behandlungsmaßnahmen. Im Gegensatz zu vielen anderen chronischen Krankheiten, welche die Lebensqualität stark einschränken, ist die Osteoporose ein Leiden, welches einerseits vermeidbar, andererseits aber auch behandelbar ist.

Es gibt Krankheiten, die ganz plötzlich auftreten, starke Schmerzen verursachen, besonders auffällige Symptome bieten – und daher „bekannt“ sind. Die Beschwerden sind unübersehbar, und sie führen rasch zum Besuch beim Orthopäden. Aber es gibt auch schleichende, lange Zeit stumme Krankheiten, an die man sich fast gewöhnt, die als normale Verschleißerscheinungen und Altersfolgen toleriert werden, mit denen man leben zu müssen glaubt. Zu dieser Kategorie gehört die Osteoporose, der Knochenschwund.

Unterschiedliche Osteoporose Befunde

In Deutschland sind mindestens 6 Millionen Menschen an einer Osteoporose unterschiedlichen Grades erkrankt; 2 Millionen der betroffenen Frauen und knapp 1 Million der Männer haben Wirbelkörperbrüche. Jährlich kommt es zu etwa 120.000 Oberschenkelhalsbrüchen. Osteoporose ist keine „neue“ Krankheit. Neu ist allerdings die nötige Aufmerksamkeit, die man ihr jetzt schenkt.

Viele von uns haben bedauernswerte Schicksale in der eigenen Familie erlebt: Die Großmutter, die sich nach einem Wirbelkörperbruch nie wieder richtig erholte, der Großvater, der sich bei einem harmlosen Sturz den Arm brach. Diese Brüche basieren auf der Veränderung von Bau und Funktion des Knochensystems mit dem Älterwerden. Das menschliche Skelett besteht aus 200 Knochen. Jeder einzelne erfüllt eine bestimmte Funktion und unterliegt einem ständigen Wechsel von Auf- und Abbauvorgängen, die wir normalerweise weder sehen noch spüren.

Voraussetzungen zur Vermeidung einer Osteoporose

„Knochenhart“ – das ist gerade der Inbegriff für Festigkeit und Stabilität. Das Bild ist jedoch falsch. Die Knochen sind keinesfalls unveränderlich, stahlhart und massiv. Sie verändern sich im Laufe des Lebens, wachsen, passen sich Belastungen an oder sie verkümmern, wenn sie zu wenig beansprucht werden. Das scheinbar so statische Knochensystem lebt und reagiert auf innere und äußere Faktoren, um seiner Funktion gerecht zu werden. Die wichtigste Voraussetzung zur Vermeidung einer Osteoporose ist ein gesunder Knochenstoffwechsel. Die Knochenmasse, also das Gewicht aller Knochen des menschlichen Organismus zusammengenommen, erreicht ihr Maximum um das dreißigste Lebensjahr. Die maximale Knochenmasse nennt man auch „Spitzenknochenmasse“. Bis zu diesem Zeitpunkt und auch darüber hinaus sollte man durch einen entsprechenden Lebensstil und kalziumreiche Ernährung versuchen, ein möglichst großes „Bankkonto - Knochensubstanz“ als Schatz und Reserve für das Alter aufzubauen. Denn nach kurzer Zeit der Stabilität verliert der Knochen bereits ab dem vierten Lebensjahrzehnt jährlich ca. 1–2 Prozent Masse.

Dieser allmähliche Knochenmasseverlust entspricht dem natürlichen Alterungsprozess, ist aber auch vermeidbar. Nach den Wechseljahren kann der Knochenschwund ganz rasch und massiv eintreten und sich krankhaft als Osteoporose bemerkbar machen. Neben krankheitsbedingten Risikofaktoren (z.B. Wechseljahre, Diabetes etc.) spielen bei der Osteoporose auch genetisch bedingte Faktoren (z.B. Geschlecht, Hormonstörungen) und erblich bedingte Stoffwechselstörungen eine Rolle.

Im menschlichen Organismus arbeiten zwei Kommunikationssysteme, die Lebensfunktionen anregen oder hemmen und das Zusammenspiel verschiedener Organe steuern: Das Nervensystem und das Hormonsystem. Zu den sogenannten „Knochenhormonen“ gehört das „Parathormon“ und das „Vitamin D – Hormon“. Der Hormonstoffwechsel muss aufeinander abgestimmt werden, sodass entsprechend den Erfordernissen genug Kalzium und Phosphat in den Knochen gelangt und dort „eingebaut“ wird. Auch Männer können durchaus von einer Osteoporose betroffen sein.

Osteoporose Diagnostik

Eine wesentliche Aufgabe des Orthopäden zur Abklärung einer Osteoporose ist eine gezielte Befragung, die sogenannte Anamnese. Hierdurch müssen gewisse Begleitsymptome, die sich in der Vergangenheit bei dem Patienten bemerkbar gemacht haben, erkannt werden. Die Erfassung der gesamten Vorgeschichte ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der ärztlichen Aufgabe.

Hinzu kommt die Messung der Knochenmasse. Es gibt viele verschiedene Verfahren, die in der Öffentlichkeit propagiert werden. Einige von diesen Methoden sind nach den Leitlinien für die Osteoporose Diagnostik nicht anerkannt und stellen nur eine ganz grobe Risikoabschätzung dar.

Daher haben die Gesellschaften für Knochenerkrankungen besondere Qualitätskriterien aufgelistet, in denen die Messverfahren mit speziellen Untersuchungsgeräten zur Erkennung der Osteoporose festgelegt sind.

Mit einem solchen Gerät neuester Generation führen auch wir die Diagnostik ohne jeden körperlichen Eingriff in der Praxis für Orthopädie in Düsseldorf durch. Das Verfahren wird DEXA-Methode genannt. Die Patientin / der Patient wird auf einem Untersuchungstisch gelagert. Im Vorfeld wird durch den Arzt aufgrund von Alterseinstufung sowie bereits eingetretenen Knochenveränderungen der Messort bestimmt. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um die Untersuchung an der Wirbelsäule bzw. an dem Oberschenkelhals. Nach dem Zusammentragen aller Ergebnisse, also einer speziellen klinischen Voruntersuchung, ggf. einer Laboranalyse sowie der Knochendichtemessung, wird eine Diagnose gestellt.

Osteoporose Therapie

Sollte eine Osteoporose erkannt werden und eine Therapienotwendigkeit medizinisch indiziert sein, so setzen wir gezielte Medikamente, die sogenannten Antiosteoporotika zur Verbesserung der Knochendichte ein. Hierzu zählt heutzutage eine breite Palette verschiedener Substanzen, die allesamt einen Zielort haben, nämlich den Knochen. Im letzten Jahr hat sich die Therapie der Osteoporose in verschiedener Hinsicht noch einmal verändert. Das betrifft auch die generelle Frage: Wann und welches Medikament gebe ich in welchem Alter und in welchem Stadium?

Neuentwicklungen der Antiosteoporosemedikamente haben die Behandlung insgesamt deutlich verbessert. Die Verträglichkeit ist für den Patienten wesentlich angenehmer geworden.

Zur „Osteoporosebasistherapie“ gehört immer die Einnahme von Kalzium und Vitamin D3. Je nach Ausprägungsgrad kommen spezielle „knochenstoffwechselmodulierende“ Substanzen hinzu. Einige von diesen Medikamenten in Tablettenform haben durch die Veränderung der Wirkungsentfaltung einen anderen Einnahmemodus bekommen, so z.B. von 1x täglich zu 1x wöchentlich.

Es gibt auch Medikamente, die in Depotform alle drei Monate als eine Infusion in die Vene gegeben oder zweimal im Jahr unter die Haut gespritzt werden können. Dieses vereinfacht die Zuverlässigkeit und die Darreichung erheblich.

Zur Beratung über Osteoporose in Vorbeugung und Behandlung gehören ebenfalls aufklärende Gespräche, die auch das Verhalten im Alltag betreffen. Ebenso wägen wir zum gleichen Zeitpunkt gemeinsam je nach Befund ab, ob eine besondere Sportart oder Physiotherapie ratsam ist. Es gehört immer zum Arztbesuch, dass ein Kontrolltermin vereinbart wird. Der Patient wird gegebenenfalls per Post benachrichtigt und zu einer Kontrolluntersuchung in unsere Praxis für Orthopädie gebeten.

Für weitere Fragen stehen Ihnen die Fachärzte für Orthopädie Dr. med. Paul Dann und Dr. med. Jürgen Arnold jederzeit zur Verfügung. Wir sind gerne bereit, die Abklärung oder den Ausschluss einer Knochenstoffwechselkrankheit bei Ihnen durchzuführen und werden Sie weiterhin auf dem aktuellen Stand halten.

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