“Das Kreuz mit dem Kreuz“

Der Rücken ist für viele Menschen die gesundheitliche Achillesferse. Bewegungsmangel durch stundenlanges Sitzen vor dem Monitor, Fehlbelastungen durch einseitige Arbeitsabläufe und auch Übergewicht belasten unseren Stützapparat mehr denn je. Dennoch sind Rückenschmerzen kein Schicksal, dem man sich ergeben muss.

In diesem Beitrag möchten wir, die Fachärzte für Orthopädie Dr. med. Paul Dann und Dr. med. Jürgen Arnold, Ihnen die häufigsten Ursachen von Rückenschmerzen aufzeigen und daraus folgend erfolgversprechende Diagnose- und konservative Therapieverfahren vorstellen.

Symptome und Ursachen

Rückenschmerzen sind häufig ein Ausdruck von Stress und Unter- bzw. Fehlbelastung der Wirbelsäule infolge von Fehlstellungen oder muskulären Fehlhaltungen. Auch Verbiegungen und Verdrehungen der Wirbelsäule (sog. Skoliosen) führen mitunter zu Rückenbeschwerden. Andere Ursachen können Achsenfehler der Beine wie etwa O- bzw. X-Beine oder Beinlängendifferenzen sowie Veränderungen an den Hüftgelenken sein. Aber auch funktionelle Störungen, wie z.B. Wirbelgelenkblockaden (der sog. „eingeklemmte Nerv“) führen zu muskulären Fehlhaltungen mit verkürzten Muskeln und Bändern. Hieraus erfolgt eine Fixierung der entstandenen Wirbelsäulenfehlstatik.

Diagnose

Die Korrektur einer Wirbelsäulenfehlstatik sollte daher der erste Schritt in der Therapie von chronischen Rückenschmerzen sein. Für die Diagnose und Verlaufskontrolle von Wirbelsäulen- und Haltungsproblemen standen uns Orthopäden bisher nur klinische und röntgenologische Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Röntgenaufnahmen und damit eine Strahlenbelastung für den Patienten sind heute jedoch in vielen Fällen entbehrlich. Mit der Videorasterstereographie, einer dreidimensionalen Wirbelsäulenvermessung, steht der Orthopädie ein neues Untersuchungsverfahren zur Verfügung, das ohne Röntgenbelastung für die Diagnostik und den Verlauf bei Wirbelsäulenproblemen und Fehlstellungen eingesetzt wird. Da es sich um eine „körperneutrale“ Untersuchungsmethode handelt, die mittels Lichtraster erstellt wird, bestehen keinerlei Nebenwirkungen.

Bei dem Gerät sind eine Waage, ein Projektor, eine Videokamera und ein Computer miteinander verbunden. Der Projektor zeichnet ein paralleles Linienraster auf den Rücken des Patienten und zeigt die vorhandenen Verwerfungen. Die Waage registriert die Belastungsdifferenzen. Noch während der Vermessung kann der Orthopäde gegebenenfalls einen exakten Beinlängenausgleich vornehmen. Die optimale Korrektur wird auf der variablen Plattform simuliert. Hier können Abweichungen vom Lot, eine Verkrümmung der Wirbelsäule bzw. Verdrehungen der einzelnen Wirbelkörper zueinander (Skoliose) eindeutig erkannt werden. Das 3-D Bild wird von der Kamera aufgenommen, in den Computer übertragen und nachfolgend von den Fachärzten für Orthopädie ausgewertet. Alte und neue Untersuchungsergebnisse können bei Bedarf unmittelbar verglichen werden. Eine exakte Verlaufsbeobachtung zur differenzierten Therapieplanung bei Rückenschmerzen wird hierdurch ermöglicht.

Konservative Therapie-Formen wie Akupunktur oder Stoßwellentherapie

Oftmals können anhand der Ergebnisse der 3-D Wirbelsäulenvermessung und einer dynamischen Ganganalyse (Pedobarographie) die bestehenden körperstatischen Differenzen mit Hilfe von für den Patienten individuell angepassten, sogenannten propriorezeptiven Einlagen ausgeglichen werden. Die orthopädietechnische Versorgung mit diesen Schuheinlagen kann eine Normalisierung der Körperstatik und eine Verbesserung der davon abhängigen Bewegungen bewirken. Die durch Fehlstatik bedingten Rückenschmerzen können damit signifikant gelindert werden. Je nach Befund und Diagnose können außerdem Neuraltherapie, Chirotherapie, Akupunktur, Trigger Stoßwellentherapie eingesetzt, sowie physico-mechanische Therapien allein oder auch in Kombination mit verschiedenen Medikamenten verordnet werden. Neben diesen ärztlichen Behandlungsmaßnahmen wirkt auch eine speziell abgestimmte Physiotherapie unterstützend. Bevor operative Maßnahmen aufgrund der Beschwerden medizinisch notwendig werden, sollte eine konsequente Anwendung der speziell abgestimmten Rückenschmerztherapie vorgenommen werden. Deshalb ist eine Operation grundsätzlich erst dann zu empfehlen, wenn alle anderen konservativen Maßnahmen, einschließlich minimal-invasiver gezielter schmerztherapeutischer Verfahren, erfolglos geblieben sind.

Periradikuläre Therapie (PRT) – die erfolgreiche Alternative zur konventionellen Schmerzbehandlung

Ein häufig erfolgreich angewendetes Verfahren ist die wirbelsäulennahe Infiltrationstechnik, auch als periradikuläre Therapie (PRT) bekannt. Diese wird für Patienten mit Rückenschmerzen empfohlen, bei denen die Beschwerden auf die Reizung der kleinen Wirbelgelenke und einer oder mehrerer Nervenwurzeln zurückzuführen sind und bei denen eine konventionelle Schmerzbehandlung keine dauerhafte Linderung hervorgerufen hat. Je nach Beschwerdebild kann der Orthopäde die verschiedenen Techniken in individueller Abfolge und Häufigkeit miteinander kombinieren. Die Injektionen erfolgen in unserer Praxis für Orthopädie und werden in der Regel über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen mehrfach wöchentlich bis hin zu täglich durchgeführt.

In jeweils spezifischer Methodik wird dabei eine dünne Injektionsnadel bis unmittelbar an die gereizte Nervenstruktur weitgehend schmerzfrei vorgeschoben. Dadurch gelingt es dem Orthopäden, bestimmte ausgewählte „Heil“-Medikamente präzise in den Bereich der gereizten Nervenwurzel zu bringen, die dann direkt vor Ort ihre Wirkung entfalten können. Vorzugsweise erfolgt diese Therapie ambulant in der Praxis für Orthopädie unter weiterer Betreuung des Patienten. Bei dieser Behandlung werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Die genaue Auswahl der Präparate erfolgt immer angepasst an das einzelne Beschwerdebild. Da alle diese Medikamente örtlich wirksam sind, ist nur eine geringe Gesamtdosis erforderlich, unerwünschte Nebenwirkungen sind selten. Bei etwa 80 – 90% der Patienten mit z.B. Bandscheibenvorfall kommt es unter dieser Behandlung zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden, meistens bis hin zur völligen Schmerzfreiheit. Mit einem Ansprechen der Therapie ist schon nach zwei bis vier Einzelbehandlungen zu rechnen. Diese Wirkung hält nicht nur während der Therapiedauer an, sondern zeigt auch bei Nachkontrollen der Patienten einen Langzeiteffekt, sodass mit einer ausgeprägten Reduzierung des chronischen Leidensdruckes und deutlicher Verbesserung der Lebensqualität zu rechnen ist.

Fazit: Rückenschmerzen oder Bandscheibenvorfall sind kein Schicksalsschlag!

Ein zeitraubender Klinikaufenthalt ist bei starken Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall nicht mehr zwingend notwendig. Der Patient kann sich neben dieser ambulanten, konservativen Injektionstherapie in unserer Orthopädie Praxis weiterhin seinen beruflichen und privaten Aufgaben zuwenden.

Eine Operation ist grundsätzlich erst dann zu empfehlen, wenn alle anderen Therapiemethoden in der Orthopädie keinen weiteren Erfolg zeigen.

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